Einstellung und Eignung: Was ist der Unterschied?

Einstellung und Eignung sind nicht dasselbe, aber der Unterschied zwischen den beiden geht weit über die Buchstaben in der Mitte hinaus. Unsere Einstellung beschreibt, wie wir Dinge tun, während unsere Eignung (oder unsere Fähigkeiten) aussagen, wozu wir in der Lage sind. So sind Einstellung und Eignung bei optimaler Entwicklung ein überaus wirksames Instrument für unsere Arbeitsleistung, aber auch für erfolgreiche Integration und Wohlbefinden innerhalb des Teams, dem wir angehören.

Einstellung und Eignung – die Merkmale

Einstellung – was ist das?

Das Konzept der Einstellung wurde in der Sozialpsychologie bereits umfassend untersucht. Sie besteht aus drei Komponenten: einer kognitiven Komponente (Gedanken, Meinungen, Überzeugungen), einer emotionalen Komponente (Freude/Unlust, Zustimmung/Ablehnung) und einer Verhaltenskomponente (die von uns ausgeübten Verhaltensweisen). Manchmal stimmen alle drei Komponenten höchst genau überein und bewirken eine starke, deutliche und hochgradig positive oder negative Einstellung. In anderen Fällen bleibt eine der drei jedoch etwas hinter den anderen zurück und die Einstellung verliert an Kraft. Jemand hat zum Beispiel eine ausgezeichnete Einstellung zu seiner Arbeit, wenn er von der Bedeutung seiner Tätigkeit überzeugt ist, sie gerne macht und diese Meinungen und Gefühle auch in seine konkrete Aufgabe einfließen lässt.

Andererseits lässt sich die Einstellung gegenüber der eigenen Arbeit auf der Grundlage dieser vier Merkmale betrachten:

Stimmung: Meine Bereitschaft, Dinge zu tun. Grundtenor und Qualität der Energie, mit der ich agiere. 

Charisma: All die Eigenschaften, durch die ich die Führungsrolle übernehmen kann, die mich strahlen lassen, mich anziehend machen und mich von anderen abheben.

Umgangsweise: Meine Art und Weise, Aufgaben und Beziehungen zu handhaben; Defätismus, Optimismus, Impulsivität, Gelassenheit, Flucht, Blockade, Aggressivität, Mäßigung, Kooperation, Vertrauen …

Gemütszustand. Ich kann träge, energiegeladen, fröhlich, verzweifelt, zuversichtlich, wach etc. sein.

Nun zur Eignung

Wie bereits erwähnt, ist die Eignung einer Person im Grunde das Ausmaß, in dem sie in der Lage ist, eine bestimmte Aufgabe auszuführen, also die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass aus anfänglichen Anweisungen konkrete Ergebnisse entstehen. Manche Fähigkeiten kann ein Mensch niemals erwerben, egal, wie viel er sich weiterbildet oder umschult. Allerdings befinden sich alle Mitglieder eines Teams in einem ständigen Prozess der Verbesserung: Sie werden begabter, geschickter bei der Ausführung ihrer Aufgaben und können ihre gesammelten Erfahrungen besser nutzen. 

Zusammenfassend sind Eignung und Befähigung einer Person, die sich um eine Stelle bewirbt bzw. diese bereits innehat, durch die folgenden vier Punkte bedingt:

Talent: Dazu gehören meine besonderen Stärken, die mich von anderen unterscheiden und mich von ihnen abheben.

Kompetenzen: In der Geschäftswelt wird zwischen Hard Skills und Soft Skills unterschieden. Beide befähigen mich, in einer bestimmten Position als kompetent aufzutreten und diesen Eindruck anderen gegenüber zu vermitteln.

Leistungsvermögen: Grundsätzlich geht es darum, welche und vor allem wie viele Dinge ich in meinen Funktionen, Aufgaben und Zuständigkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt in meiner beruflichen Laufbahn abdecken kann.

Voraussetzungen, um sich für eine Stelle zu bewerben oder eine Stelle zu behalten: Wenn ich ein Stellenangebot lese oder wenn eine Umstrukturierung meines Teams ansteht, kann ich mir ansehen, welche Eigenschaften die einzustellende Person haben sollte, und einschätzen, inwiefern ich diesen Anforderungen gerecht werde. 

Auf die richtige Kombination von Einstellung und Eignung kommt es an

Lass dich nicht von Argumenten für das eine oder das andere in die Irre führen. Für jede Stelle sind sowohl Einstellung als auch Eignung erforderlich. Deshalb enthalten die meisten Stellenausschreibungen – vor allem wenn sie sehr ausführlich sind – viele Angaben zu Einstellung und Fähigkeiten, die geeignete Kandidatinnen und Kandidaten bei einer Bewerbung mitbringen sollten.

Angesichts der Tatsache, dass wir alle im Job nicht perfekt sind, sollten sich die beiden Eigenschaften ergänzen, damit eine die Mängel der anderen ausgleicht und im Ergebnis die Leistung gesteigert wird.

Es gibt Stellenbewerber oder Mitarbeiterinnen, die für eine bestimmte Aufgabe unglaublich begabt sind und auch das optimale Maß an Motivation, Charisma und Energie dafür mitbringen. Dennoch geraten wir Menschen höchstwahrscheinlich irgendwann ins Stocken, entweder in Sachen Einstellung, mit der wir an die Arbeit herangehen, oder hinsichtlich unserer Fähigkeiten zu deren Bewältigung. Realistischerweise sollten wir uns daher um die richtige Mischung aus Einstellung und Eignung bemühen, anstatt vergeblich zu versuchen, der ideale Mitarbeiter zu sein, oder die auf allen Ebenen perfekte Kandidatin zu suchen, die sich vielleicht nicht findet.

Wenn wir einen Job suchen – oder bereits haben – neigen wir dazu, viele Vermutungen darüber anzustellen, was unsere Vorgesetzten am meisten schätzen, aber in Wirklichkeit ist das nicht immer so eindeutig. In diesem Sinne ist weder Einstellung noch Eignung der entscheidende Faktor, um einen bestimmten Job zu bekommen oder die Probezeit zu bestehen und ihn zu behalten.

Oft, vor allem wenn wir neu in einer Aufgabe sind, empfinden wir Unsicherheit über unsere Fähigkeit, unsere Aufgabe angemessen zu erfüllen: Wir glauben, dass wir nicht über die nötigen Fähigkeiten verfügen und befürchten, ersetzbar zu werden. Solange unsere Fähigkeiten jedoch nicht völlig unzureichend sind, schätzen unsere Vorgesetzten die Einstellung, mit der wir an die Aufgabe herangehen (Positivität, Perfektionismus, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität), oft mehr als den Umstand, ob wir für diese bestimmte Aufgabe hervorragend geeignet sind oder nicht. Auch hier liegt das Geheimnis meist darin, Einstellung und Eignung auf möglichst effiziente Weise zu kombinieren.