Eine radikale Veränderung in unserem Leben ist eine Strategie zur Bewältigung von etwas, das uns widerfährt und das wahrscheinlich mit einer tiefen Unzufriedenheit oder einem starken Wunsch nach Verbesserung einhergeht.
Wie kannst du dein Leben radikal verändern?
Wir können uns Gedanken darüber machen, wie wir nach den Ferien wieder auf Kurs kommen, indem wir kleine und große Projekte in Angriff nehmen, um motiviert und mit dem Gefühl, wirklich das Leben zu leben, das wir leben wollen, voranzukommen. In der Psychologie nennt man das „ein authentisches Leben führen“. Manchmal geht es aber nicht „nur“ darum, ein Projekt „für dieses Jahr“ in Angriff zu nehmen, also eines der Dinge zu tun, die auf die Liste der guten Vorsätze stehen, auch wenn dies eine gewisse Relevanz hat (zum Beispiel einen Tanzkurs zu belegen, eine Therapie bei einem Psychologen zu machen oder das eigene Sozialleben zu verbessern).
Manchmal bringen uns unsere Überlegungen und vor allem unsere Bedürfnisse dazu, etwas Radikaleres zu wagen: eine echte Lebensveränderung, alles umkrempeln.
Was bedeutet eine radikale Veränderung im Leben?
Eine radikale Veränderung kann freiwillig sein oder durch äußere Umstände ausgelöst werden. Nicht jeder wagt radikale Veränderungen oder hat das Glück oder Pech, vom Leben dazu gezwungen zu werden. Viele Menschen können jedoch Geschichten von radikalen Veränderungen (um 180°) in ihrem Leben erzählen. Hier sind einige Beispiele:
– Priester, Mönche oder Nonnen, die ihr geistliches Amt niederlegen, oder Laien, die ins Ordensleben eintreten wollen.
– Menschen, die aus verschiedenen Gründen auf einen anderen Kontinent ziehen, an einen Ort mit anderen Bräuchen, Gesetzen, Klima, Kultur und Sprache.
– Frauen und Männer, die nach einer Verurteilung ins Gefängnis kommen … oder nach der Verbüßung ihrer Haftstrafe entlassen werden. Natürlich haben Freiheit und Gefängnis einen entscheidenden Einfluss auf das Leben.
– Personen, die sich beruflich vollkommen neu erfinden. Zum Beispiel jemand, der seinen Job als Börsenmakler in der Großstadt aufgibt und in einem nahezu unbewohnten Dorf einen Biogarten anlegt oder ein Jahr lang durch Indien reist.
– Personen im Zeugenschutz. Menschen, die bisher ein normales Leben führten, aber nach der Beobachtung einer Straftat und aufgrund der Brisanz ihrer Kenntnisse aus dem offiziellen Leben „verschwinden“ und ihren Namen, Wohnort, Arbeitsplatz usw. ändern müssen, um am Leben zu bleiben.
– Menschen, die in den finanziellen Ruin geraten und ihr gut situiertes, luxuriöses Leben aufgeben müssen, um ein ganz einfaches oder sogar prekäres und entbehrungsreiches Dasein zu führen.
– Ein Kind (oder zwei oder mehr) zu bekommen. Es ist allgemein bekannt, dass ein Kind das Leben verändert. Demnach hat sich im letzten Jahr allein in Spanien das Leben von über 400.000 Menschen (die 2016 ein Kind bekommen haben) verändert. Kannst du dir vorstellen, Zwillinge oder Drillinge zu bekommen?
– Menschen, die sich einem Prozess zur Geschlechtsumwandlung unterziehen (oder anfangen, ihr Geschlecht drastisch zu verändern, damit es dem gefühlten Geschlecht entspricht). Man stelle sich nur einmal vor, wie das ist, wenn man zum ersten Mal auf die Straße geht und dabei genau das Gegenteil von dem trägt, was man sonst immer anhat, oder feststellt, dass sich der Körper nach einer Operation radikal verändert hat.
Dies sind nur ein paar Beispiele für radikale Veränderungen im Laufe eines Lebens. Das, was dich beschäftigt, hat vielleicht nicht wirklich etwas mit diesen Fällen zu tun, ist aber dennoch nicht weniger wichtig. Jeder Mensch kann sein Leben radikal so verändern, wie er es für richtig hält.
Ich möchte mein Leben ändern
Damit musst du auf jeden Fall vorsichtig umgehen. Wenn du eine radikale Veränderung in deinem Leben in Erwägung ziehst oder bereits durchmachst, findest du hier 3 Tipps, wie du diesen Prozess ganz bewusst durchführst.
- Denke daran, dass Veränderungen nie von allein kommen. „Radikal“ ist ein sehr starkes Wort, und wenn wir erst einmal bestimmte Maßnahmen ergriffen haben, die zu einer radikalen Veränderung unserer Gewohnheiten, Lebensräume und sozialen Kreise führen, ist es schwierig, die Folgen einiger unserer Entscheidungen vorherzusehen – und die Kontrolle darüber zu behalten. Der Schriftsteller Truman Capote prägte in Anlehnung an Teresa von Ávila angeblich den berühmten Satz: „Es werden mehr Tränen über erhörte Gebete vergossen als über nicht erhörte.“ Umgangssprachlich ausgedrückt heißt das: „Sei vorsichtig mit dem, was du dir wünschst, denn es könnte in Erfüllung gehen“. Lass dich davon auf keinen Fall abschrecken, aber du solltest deine Entscheidungen gut überlegen, bevor du sie triffst. Es geht nicht darum, das Unmögliche vorauszusagen, sondern darum, bestimmte vorhersehbare Risiken abzuwägen. Und dann einfach ausprobieren!
- Gestalte die Veränderung auf realistische Weise. Hast du Mary Poppins gesehen? Wenn du den Sprung von den verregneten Straßen Londons in die bunte Welt der Pinguine, die Cocktails servieren, und der Ponys, die aus ihren Karussells ausbrechen, geschafft hast, mag die Landung, obwohl du sie so gewollt hast, nicht leicht sein. Aber keine Panik: Radikale Veränderungen stecken voller neuer Aspekte und somit auch voller Ungewissheit, was ein hohes Maß an psychologischem Unbehagen auslösen kann. Gepaart mit der Erkenntnis, dass nicht einmal die bunte Welt von Mary Poppins perfekt ist, können deine ersten Eindrücke von deinem radikal neuen Leben sehr enttäuschend sein. Lass dich nicht vom Stress beirren, gib dir Zeit, dich an dein neues Leben zu gewöhnen und triff keine übereilten Entscheidungen in Zeiten von Krisen oder nervlicher Anspannung (zu viel Angst lähmt die Verarbeitung von Informationen). Bei Veränderungen geht es nicht nur darum, direkt am Ziel anzukommen, sondern darum, diese Schritt für Schritt in dein neues Leben zu integrieren. Lass dir Zeit damit.
- Komm zurück in das Hier und Jetzt. Wenn wir eine radikale Veränderung in unserem Leben planen, sind wir versucht, unsere Zukunft zu idealisieren und uns einzureden, mit Eintreten dieser Veränderung seien alle unsere Probleme gelöst. Auf diese Weise idealisieren wir nicht nur eine ungewisse und riskante Zukunft, die – wie es für die Zukunft eben so üblich ist – noch nicht eingetroffen ist, sondern wir verwenden unsere Energie auf unser anvisiertes Wohlergehen in dieser Zukunft, statt einen Teil für unser bestmögliches Befinden in der Gegenwart einzusetzen. Du kannst natürlich deine Zukunft visualisieren, aber du solltest deswegen nicht dein jetziges Wohlbefinden aufschieben.
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt – das ist klar. Aber dasselbe gilt auch, wenn man unvorbereitet ins Rennen geht. Egal, ob dir eine radikale Veränderung in deinem Leben vorschwebt oder du bereits mittendrin steckst. Wenn du das Gefühl hast, ein wenig psychologische Hilfe könnte dir helfen, die unerwünschten Nebenwirkungen der neuen Umstände abzufedern, dann zögere nicht und nimm sie in Anspruch.