Unsere innere Stimme sagt ständig Sätze, die mit den Worten „Ich sollte …“ beginnen und dann oft im Dschungel unserer Routine verloren gehen und sich in nichts auflösen. Wie du vielleicht schon gemerkt hast, ist das nicht gerade förderlich für dein Selbstwertgefühl oder für ein besseres Leben, als du es ohnehin schon hast.
Wenn dir bereits klar ist, dass du etwas tun solltest, weil es für dich aus irgendeinem Grund das Richtige ist, wenn du bereits weißt, dass du die Mittel dafür hast – oder zumindest weißt, welche Mittel du dafür brauchst und wie du sie bekommst – und wenn du bereits weißt, dass du keine größeren Hindernisse überwinden musst, um loszulegen, dann sollte jeder Satz, der mit dem Wort sollte beginnt, durch den Satz Ich werde jetzt sofort damit anfangen ersetzt werden.
Schieb das „Ich sollte“ nicht auf
Heute ist der perfekte erste Tag, um mit dem anzufangen, von dem du glaubst, fühlst und weißt, dass du es tun solltest (bzw. es ganz zu tun, wenn es sich um etwas einmaliges handelt). Dabei spielt deine Willenskraft eine entscheidende Rolle, denn du wirst immer einen Haufen Ausreden finden, um nicht aktiv zu werden. Diese verführerischen Vorwände sind gezielt darauf ausgerichtet, dich davon abzuhalten, jetzt sofort genau das zu tun, was du glaubst, fühlst und weißt, dass du tun solltest. Aber Veränderung erreicht man nicht, indem man sagt: „Ich sollte mich ändern.“ Wir erreichen sie durch sofortiges Handeln in Richtung der Veränderung.
Es wird immer etwas geben, das wichtiger ist als das, von dem du glaubst, weißt und fühlst, dass du es tun solltest. Natürlich hast du es immer verdient, noch ein bisschen fernzusehen, bevor du das tust, was du eigentlich tun solltest. Es wird immer eine Menge Arbeit anstehen, die du erledigen musst, bevor du eine Pause einlegst. Du kannst den Anruf, den du schon lange machen wolltest, auch zu einem späteren Zeitpunkt erledigen. Es wird immer mehr Spaß machen, Filme zu sehen oder spazieren zu gehen, als eine Sprache zu lernen oder den Excel-Kurs zu belegen, den du unbedingt für dein berufliches Vorwärtskommen machen solltest. Es wird immer etwas Wichtigeres zu tun geben, als einen Termin mit deinem Therapeuten zu vereinbaren, anstatt dich weiter mit den Problemen in deinem Leben herumzuschlagen, mit denen du alleine nicht zurechtkommst.
Tu es jetzt, genau in diesem Moment, jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, es zu tun oder damit anzufangen. Wenn du dich an deinen Freund Soundso erinnerst und denkst „Ich sollte ihn anrufen, um zu sehen, wie es ihm geht, wir haben schon lange nicht mehr miteinander gesprochen“, dann rufe ihn sofort an oder grüße ihn zumindest mit einer schriftlichen Nachricht. Wenn du dir aber denkst: „Später, wenn ich mit dem und dem fertig bin, rufe ich ihn bestimmt an“, wird es wahrscheinlich ein Jahr dauern, bis du seine Nummer wählst … Das weißt auch du. Wenn du deine Freundin oder deinen Freund im Moment nicht anrufen kannst, schreibe ihr oder ihm wenigstens: „Hallo, wie geht es dir?“ Das ist besser, als nichts zu sagen, und öffnet erneut die Kommunikation zwischen euch. Es ist allemal besser, als weiterhin zu denken, du hättest sie oder ihn anrufen sollen, weil ihr so lange nichts mehr voneinander gehört habt …
Teile die Herausforderungen auf
Ein Anruf oder ein rascher Einkauf im Supermarkt, um die wöchentlichen Mahlzeiten zu organisieren, sind „einmalige“ Handlungen, die mehr oder weniger in einem einzigen Schritt erledigt werden. Es gibt aber auch komplexere Herausforderungen, also Dinge, die du tun solltest, die aber nicht durch ein einziges, einfaches Vorgehen erledigt werden können. Deinen Führerschein zu machen, deine Leistungen zu verdreifachen, um ein gutes Ergebnis in einer Prüfung zu erzielen, dein Zuhause zu renovieren und so umzugestalten, dass du besser darin leben kannst usw. All das sind Dinge, von denen du glaubst, fühlst und weißt, dass du sie tun solltest, die du aber nicht in einem Schritt umsetzen kannst.
Bei dieser Erkenntnis wirst du vielleicht verschiedene negative Emotionen wie Frustration, Entmutigung, Wut oder Traurigkeit empfinden. Aber du darfst nicht vergessen, dass Herausforderungen ein wichtiger Faktor für deine Weiterentwicklung sind. Niemand hat behauptet, dass es einfach ist. Wenn du also etwas erreichen willst, das nur auf lange Sicht Früchte tragen kann, sind aufkommende Hindernisse auf dem Weg dorthin keineswegs ein Zeichen dafür, dass du es nicht tun solltest. Herausforderungen sind ein natürlicher Teil des Prozesses, um das zu starten, von dem du glaubst, fühlst und weißt, dass du es tun solltest.
Hast du jemals eine Straße ohne Steine gesehen? Selbst Flugzeuge müssen in der Luft Turbulenzen und Stürme überwinden, die nicht einmal sichtbar sind. Wenn du dein Ziel klar vor Augen hast, mach einfach weiter. Es gibt einige wirklich schöne Streckenabschnitte auf deinem Weg, die dich für die vielen Schlaglöcher und Steine belohnen.
Arbeite an deiner inneren Einstellung
Du kannst das, was du tun solltest – sei es eine eher einfache Handlung oder eine groß angelegte persönliche Veränderung – nicht allein dadurch erreichen, dass du eine Reihe von mehr oder weniger komplexen, aber grundlosen Verhaltensweisen an den Tag legst.
Vergiss nicht, dass deine wirksamste und gleichzeitig abstrakteste Waffe deine bereits eingangs erwähnte Willenskraft ist. Deine anderen Waffen sind Ausdauer, Optimismus und dein Engagement für dich selbst. Damit erreichst du Schritt für Schritt – trotz sämtlicher Steine auf deinem Weg – das, was wir in der Psychologie ein lebenswertes Leben nennen … in diesem Fall für dich.
Geh in dich, werde dir deiner Werte (alles, was dir wirklich wichtig ist) bewusst, investiere deine Zeit und Energie in Dinge, die dir etwas bedeuten und einen Sinn für dich haben, jenseits von dem, was gesellschaftlich erwünscht ist, jenseits von den gut gemeinten – aber manchmal schlichtweg verfehlten – Ratschlägen, die dir deine Mitmenschen geben.
Sei geduldig. Sich weiterzuentwickeln, sich zu verbessern, einen sinnvollen und gesunden Lebensstil für sich selbst zu finden, ist eine Aufgabe, die dein ganzes Leben in Anspruch nehmen wird, also wäge deine Kräfte gut ab und stelle dich darauf ein, Ungewissheit und allerlei Arten von Ablehnungen, mit denen du im Laufe deines Lebens konfrontiert werden wirst, zu tolerieren. Glaube an dich selbst und an deine Fähigkeiten. Sei flexibel. Meistens läuft nicht immer alles glatt, aber der Teil, der gut läuft, wird es sicher wert sein, dich selbst deinem Ziel zu verschreiben.