Ich bin ein eher zurückhaltender Mensch und es fällt mir ziemlich schwer, über meine Probleme zu sprechen. Ehrlich gesagt wissen nur wenige Menschen, was in meinem Inneren wirklich vor sich geht. Ich kenne Leute, die allen erzählen, was sie beschäftigt – ihrer Familie, ihren Freunden, dem Hausmeister, dem Taxifahrer und sogar dem Kellner im Café um die Ecke. Für mich ist es eine große Herausforderung gewesen, über meine Ängste sprechen zu lernen.
Der Kampf gegen Angstzustände
Ich meinerseits habe schon als Kind gelernt, dass alle für sich selbst die Verantwortung übernehmen müssen und andere nicht mit ihren Problemen belasten dürfen. Und genau das habe ich auch immer gemacht – stets alles in mich hineingefressen.
Mit 25 Jahren fing es dann an. Ich hatte mein Studium abgeschlossen und war auf der Suche nach einem Job. Damals stellten sich meine ersten Angstzustände ein, die mich nach und nach aufzehrten. Die ständigen Absagen auf die von mir verschickten Lebensläufe, die Wochen ohne eine einzige Rückmeldung, die Ungewissheit, das Gefühl, dass mein Leben nicht vorankommt und dass ich auf der Stelle trete, während andere Fortschritte machen … all das häufte sich an.
Diese Gefühle kamen und gingen. Phasenweise hatte ich sie unter Kontrolle und natürlich wusste niemand davon, was in mir vorging. Damals schenkte ich dem Ganzen keine große Bedeutung. „So ist nun mal das Leben“, „Es ist nur eine schwierige Phase“, „Das geht vorbei“, dachte ich.
Zuerst traten die Anfälle nur in kritischen Momenten auf, dann aber auch in jeder anderen Situation – wenn ich den Bus verpasste, vor, während und nach den sogenannten Bewerbungsgesprächen, oder wenn ein Freund nicht auf eine Nachricht antwortete. Die Angstzustände beherrschten mich und legten mich lahm. Wenn ich versuchte, über das Problem zu sprechen, hatte ich das Gefühl, dass mein Partner, meine Freunde oder meine Familie mich nicht verstanden. Ich weiß, dass sie es nur gut meinten, aber ihre Worte waren nicht nur wenig hilfreich, sondern machten es noch schlimmer … Also zog ich mich noch mehr in mich selbst zurück.
Angstzustände durch Psychotherapie überwinden
Eines späten Abends, einen Monat nachdem die Beziehung mit meinem Partner in die Brüche gegangen war, explodierte ich. Ich konnte nicht mehr, ich wollte nur immerfort weinen, bis der Schmerz in der Brust aufhörte.
Wenn ich jetzt im Alter von 31 Jahren auf diese Zeit zurückblicke, wird mir klar, wie viel mir erspart geblieben wäre, wenn ich auf meinen Körper gehört hätte. Wenn ich früher professionelle Hilfe in Anspruch genommen hätte. Ich war sehr sportlich und die Redensart „in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“ stimmt zwar, aber manchmal ist ein gesunder Körper einfach nicht genug – man muss sich auch um seine geistige Gesundheit kümmern.
An jenem Tag hatte ich den Tiefpunkt erreicht, ich hatte das Gefühl, die Kontrolle völlig verloren zu haben. Ich wusste nicht, an wen ich mich wenden sollte, und stolperte dann über ifeel, eine Online-Plattform für psychologische Beratung. Es kam mir vor wie ein Wink des Schicksals. Ich hatte diese Möglichkeit noch nie in Betracht gezogen, aber ich war verzweifelt und hatte das Gefühl, niemanden zu haben, mit dem ich reden konnte. Wenn ich nicht einmal mit meiner besten Freundin über all das sprechen könnte, wie sollte ich dann mit einem Fremden reden?
Und so kam es, dass ich einer Psychologin, deren Gesicht ich nie sehen würde, meine ganze Lebensgeschichte erzählte. Ich sprach mit ihr, wie ich noch nie zuvor mit jemandem in meinem Leben gesprochen hatte. Das alles musste einfach raus. Sie hörte mir zu und als sie mir antwortete, wurde mir klar, dass ich mich schon seit sehr langer Zeit nicht mehr verstanden gefühlt hatte. Während ich schrieb, weinte ich unaufhörlich, aber je mehr sie auf mich einging, desto mehr beruhigte ich mich. Wie ein Kind, das plötzlich Trost bei seiner Mutter findet. Sie beruhigte mich, stellte mir Fragen über mich selbst, um mich besser kennenzulernen, und erklärte mir, dass ich professionelle Betreuung brauchte. Wenn ich jetzt zurückblicke, wird mir klar, dass das meine erste Therapiesitzung war.
Diese Psychologin vermittelte mir den Kontakt zu Maribel, einer auf Angstzustände spezialisierten Psychologin mit sehr viel Erfahrung, die auch heute noch meine Therapeutin ist. Am Anfang meiner Therapie war ich total aufgelöst und wusste nicht, an wen ich mich wenden sollte. Ich war ein Wrack. Und daher fasste ich den Mut und begann eine Therapie.
Im Laufe der Therapie wurde mein Kopf immer klarer. Warum hatte ich nur so lange damit gewartet? Ich wünschte, statt mit 31 hätte ich schon mit 25 angefangen! Schreiben wurde für mich zu einem fundamentalen Werkzeug. Die bloße Aufgabe, all meine Gedanken und Gefühle zu ordnen und auf Papier zu bringen, war eine Art innere Katharsis. Und jeden Tag erhielt ich Antworten von Maribel. Es war eine wunderbare Erfahrung, meine ganze Geschichte anonym mit einer Person teilen zu können, die völlig unparteiisch ist und mir auch noch hilft, diese neu zu ordnen. Oft vertrauen wir uns Freunden oder Verwandten an, aber sie haben aufgrund ihrer persönlichen Beziehung zu uns immer eine leicht voreingenommene Meinung. Eine Psychologin hingegen ist eine Fachkraft, deren Aufgabe genau darin besteht, dir zuzuhören und dir das Werkzeug an die Hand zu geben, das dir hilft, die Situation allein zu bewältigen.
Durch das erneute Lesen meiner Aufzeichnungen wurden mir all meine Widersprüchlichkeiten bewusst und ich war gezwungen, zu überlegen, was ich in meinem Leben suchte. Mit Maribels Hilfe begann ich allmählich, darüber nachzudenken, was ich wollte, anstatt weiter das zu tun, was andere als gut für mich erachteten.
Manchmal wurde ich rückfällig und hatte das Gefühl, dass die ganze Arbeit umsonst gewesen war. Maribel musste mit mir in diesen Momenten ganz schön was mitmachen! Wenn die Krise dann vorüber war, erkannte ich im Gespräch mit ihr, wie viele Fortschritte ich gemacht hatte. Ich hatte gelernt, meine Atmung zu kontrollieren und mir die Ursache meiner Angstzustände bewusst zu machen.
Der Anfang war sehr hart, ich konnte vieles erst nicht einsehen. Aber es vergeht kein Tag, an dem ich nicht froh bin, dass ich an diesem schrecklichen Nachmittag den Schritt gewagt habe. Ich will mich nie wieder so fühlen wie damals. Das dient mir als Motivation, um weiter zu lernen, mit meinen Ängsten umzugehen und mein Glück zu verfolgen.
Ich will ehrlich sein: Ich bin immer noch in Therapie und ich weiß, dass ich noch einen langen Weg vor mir habe. Ich erlebe immer noch schwierige Momente oder Situationen, die ich nicht kontrollieren kann. Aber ich empfinde und lebe jetzt anders, und ich glaube, sogar meine Katze merkt das.
Viele Jahre lang waren die Ängste mein ständiger Begleiter, aber ich habe gelernt, mit ihnen zu leben. Ich bin überzeugt, dass ich diesen Kampf gewinnen werde. Und wie Maribel mir immer sagt, ist es nur eine Frage der Zeit, der Ausdauer und der Einstellung.