Beschäftigte unterliegen dem Hochstapler-Syndrom, wenn sie das Gefühl haben, sie nehmen eine Aufgabe wahr, zu der sie nicht befähigt sind, und ihre Rolle im Unternehmen sei daher nicht gerechtfertigt.
Bei Antritt einer neuen Stelle klafft oft eine Lücke zwischen den Anforderungen der idealen Leistungen und unseren tatsächlichen Fähigkeiten. In den meisten Fällen wird diese Lücke mit zunehmender Erfahrung immer kleiner.
Bleibt die Kluft jedoch bestehen, verschlechtert sich das emotionale Wohlbefinden des Arbeitnehmers, vor allem, wenn er oder sie das Gefühl hat, so tun zu müssen, als wäre da keine Lücke zwischen den erwarteten Leistungen und der tatsächlichen Leistungsfähigkeit.
In diesem Fall entwickelt sich bei den Betroffenen das umgangssprachlich und in Unternehmenskreisen als „Hochstapler-Syndrom“ bezeichnete Verhalten: eine ganze Reihe von Anzeichen und Symptomen, basierend auf dem Bestreben, die vermeintliche Lüge, man sei die richtige Person für den Job, aufrechtzuerhalten.
Für die Betroffenen ist dieser Zustand sehr entmutigend und das Seltsame daran ist, dass es oft nicht einmal einen Grund dafür gibt.
Was passiert beim Hochstapler-Syndrom?
Menschen, die unter dem sogenannten Hochstapler-Syndrom leiden, wollen das Unternehmen, das ihnen sein Vertrauen geschenkt hat, nicht betrügen. Dabei handelt es sich oft um Personen, die sich ihrer Fähigkeiten unsicher sind und glauben, sie seien zu Unrecht eingestellt worden: Ich habe mich zu gut verkauft, ich habe Dinge versprochen, die ich nicht hätte versprechen sollen, ich verstehe nicht, wie sie mir vertrauen konnten, mir fehlen die nötigen Kompetenzen für diese Aufgabe, jeden Moment werde ich auffliegen und mich lächerlich machen, ich lasse meine Vorgesetzten im Stich …
Das klingt ziemlich pessimistisch, nicht wahr? Vielen Menschen, die das Gefühl haben, sie würden eine Art Berufslüge begehen, gehen derartige Gedanken durch den Kopf. Offensichtlich ist diese Situation extrem stressig und fördert nicht die Produktivität der Beschäftigten, sondern behindert sie eher.
Menschen, die bis zu einem gewissen Grad unter dem Hochstapler-Syndrom leiden, erleben möglicherweise einige (oder alle) dieser fünf Situationen:
1. Identitätskonflikt. Ich bin nicht die Person, die ich vorgebe zu sein. Ich bin nicht die Person, für die andere mich halten. Ich bin nicht die richtige Person für die Stelle, als die ich mich im Vorstellungsgespräch ausgegeben habe.
2. Geringeres berufliches Selbstwertgefühl. Ich wurde irrtümlich eingestellt. Wenn sie mein echtes berufliches Profil kennen würden, hätten sie mich schon längst gefeuert.
3. Ängste. Ich versuche immer, souverän zu wirken, aber ich habe Angst, dass herauskommt, dass ich für diesen Job nicht qualifiziert bin.
4. Stress. Ich habe das Gefühl, auf meine Aufgaben und Funktionen nicht vorbereitet zu sein und fühle mich von diesen permanent überfordert. Ich mache keine Fortschritte, meine Aufgabe erscheint mir immer noch genauso unmöglich wie am Anfang.
5. Diskrepanz zwischen meinem Selbstbild und dem Bild, das ich anderen zu vermitteln glaube. Ich bin mir meiner wahren Fähigkeiten nicht sicher. Ich weiß nicht, ob meine Unfähigkeit, meine Aufgaben zu erfüllen, von anderen bemerkt wird oder nicht. Ich weiß nicht, wer meinen Schwindel bemerkt und wer ihn glaubt.
Wie gehe ich mit dem Hochstapler-Syndrom um?
1. Entspanne dich und überlege, ob du nicht irgendwo übertreibst.
Perfekte Beschäftigte gibt es nicht und keiner ist sich seines Wertes immer zu 100 % sicher. Wir alle entwickeln uns täglich ein bisschen mehr zu den Arbeitskräften, die wir sein sollen. Genau wie alle anderen hast auch du dein eigenes Lerntempo. Vielleicht bist du gar nicht ungeeignet für den Job, sondern brauchst nur mehr Zeit und Unterstützung oder vielleicht solltest du deine Ansprüche an dich selbst sogar ein wenig herunterschrauben.
2. Denk daran, dass du wegen deiner Qualifikationen eingestellt wurdest
Vielleicht hast du einfach ein gutes Vorstellungsgespräch abgelegt und wurdest genau wegen dem ausgewählt, was man in dir gesehen hat: Fähigkeiten und Potenzial. Richte deine Aufmerksamkeit auf diese Aspekte und miss den Dingen, von denen du glaubst, du beherrschst sie nicht, weniger Bedeutung bei. So wirst du besser Fortschritte machen.
3. Konzentriere dich auf die Aufgabe anstatt auf die Angst
Mache dir klar, wie viel Energie du in den Gedanken steckst, du könntest auffliegen oder du seist nicht gut genug für deine Arbeit. Wäre es nicht sinnvoller, das zu tun, was du kannst, und zu korrigieren, was verbessert werden muss? Vergiss nicht, deine Vorgesetzten würden dir bestimmt sagen, dass du zu nichts taugst, wenn dies der Fall wäre. Solltest du tatsächlich nicht gut arbeiten, werden sie dich das wissen lassen und dann kannst du mit ihnen zusammen einen Plan zur Verbesserung ausarbeiten.
4. Werde aktiv
Verstricke dich nicht in deinen eigenen Gedanken und Gefühlen. Finde die Bereiche, in denen du noch wenig Erfahrung hast und verbessere diese. Bitte um Hilfe, lies, bilde dich weiter, berate dich mit deinen Kolleginnen und Kollegen, verbessere deine Stärken (um deine Schwächen auszugleichen), stelle Fragen und mache das Beste aus den Gesprächen zur Leistungsbeurteilung. Wenn es tatsächlich Verbesserungspotenzial gibt, dann nimm es in Angriff.
5. Nimm professionelle Unterstützung in Anspruch
Wenn du lieber in einem etwas privateren und neutraleren Rahmen herausfinden möchtest, was zu diesem sogenannten Hochstapler-Syndrom geführt hat oder wie du es überwinden kannst, dann such dir am besten professionelle psychologische Hilfe. Mit einer Fachkraft kannst du in einem angenehmen und vertraulichen Umfeld deine Situation analysieren und sie wieder geradebiegen.