Hilfe! Ich muss eine Entscheidung treffen und traue mich nicht

Haben alle anderen auch so viel Angst davor, etwas falsch zu machen? Im Allgemeinen schon. Wenn nicht gerade eine psychische Störung vorliegt (eine Erkrankung oder ein schweres Intelligenzdefizit), empfindet jeder Mensch Angst. Sie ist eine der grundlegenden Emotionen, die auch viele Tiere empfinden. Dazu gehört natürlich auch die Angst, etwas falsch zu machen, schlechte Entscheidungen zu treffen, jemanden zu verletzen und so weiter. Wie auch bei anderen Emotionen wäre das gesellschaftliche Leben ohne diese Angst chaotisch und würde in extreme Aggressivität und Rücksichtslosigkeit ausarten.

Warum so viel Angst?

Manche Menschen haben übermäßig viel Angst davor, Fehler zu machen. Wie immer hängt das mit einer Vielzahl von Faktoren zusammen, bei denen es oft schwer zu unterscheiden ist, welche die Ursachen und welche die Folgen sind. Bei dieser Dynamik lassen sich jedoch zunächst intrapsychische Merkmale beobachten, also solche, die sich auf die eigene Persönlichkeit, das Bewältigungsverhalten oder das kognitive Verhalten einer Person beziehen.

Jeder hat Angst, Fehler zu machen. Die Frage ist, über welche Werkzeuge du verfügst, um diese Angst zu regulieren, damit sie nicht ihren Nutzen verliert.

Zu dieser Gruppe gehören Menschen, die generell unsicherer oder sogar Schwarzmaler sind (Menschen, die immer das schlimmstmögliche Ergebnis als die wahrscheinlichste aller möglichen Konsequenzen erachten), die weniger Vertrauen in ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten haben, die sich zurückziehen, die perfektionistisch sind oder die länger brauchen, um Entscheidungen zu treffen – entweder weil sie mit zu vielen Optionen gleichzeitig nicht umgehen können oder weil sie die Optionen, mit denen sie umgehen, nur langsam verarbeiten … oder einfach, weil sie extrem zwanghafte Züge haben (immer wieder alle Vor- und Nachteile der verschiedenen Optionen durchgehen) und daher nicht besonders flexibel und spontan sind.

Neben diesen intrapsychischen Faktoren spielen auch die Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens gemacht haben, eine große Rolle. Wenn wir zum Beispiel in der Vergangenheit schwerwiegende Fehler gemacht haben, ist es völlig normal (und sinnvoll), dass wir große Angst davor haben, sie in Zukunft erneut zu begehen. Es ist sogar ein Zeichen von Intelligenz, denn dieses Gefühl bringt uns dazu, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen.

Jeder hat Angst

Jeder Mensch sollte in bestimmten Situationen Angst davor haben, Fehler zu machen. Das Gegenteil wäre typisch für narzisstische Menschen, die sich ihrer wahren Fähigkeiten und Schwächen nicht bewusst sind, was sie zu rücksichtslosem oder schädigendem Verhalten sich selbst oder anderen gegenüber veranlassen kann.

Bei einfachen Aufgaben oder bei Aufgaben, die wir schon sehr gut beherrschen, sinkt diese Angst natürlich auf null oder auf ein überschaubares Niveau. Wenn ich zum Beispiel noch nie ein Omelett gemacht habe und es zum ersten Mal ausprobiere, bin ich natürlich ein bisschen nervös, ob es mir wohl auch gelingen wird. Wenn ich das Gericht aber schon Hunderte Male zubereitet habe, dann konzentriere ich mich darauf, dass es gut wird, anstatt mich zu sorgen (Sorge ist das kognitive Gegenstück der Emotion Angst). Ich will also, dass das Omelett gut wird, aber ich bin mir einfach sicher, dass es mir gelingen wird, weil es mir schon vorher gut gelungen ist und ein großer Teil des Zubereitungsprozesses ganz automatisch abläuft.

Das Gleiche passiert bei unerfahrenen Chirurgen verglichen mit Chirurgen, die dieselbe Operation schon Hunderte von Malen durchgeführt haben. Oder wenn ein Schauspieler die Bühne betritt. Wie oft sagen erfahrene und namhafte Schauspieler, dass sie immer noch nervös sind, wenn sie vor Publikum treten. Sicher, sie sind lebendig, sie nehmen ihre Aufgabe ernst, sie verstehen jede Aufführung als etwas Neues, auch wenn sie sich wiederholt. Aber sie haben offensichtlich genügend Erfahrung, um dieses Unbehagen oder die Angst angemessen zu kontrollieren, damit sie sie nicht lähmt.

Wichtig ist auch, dass Angst zwar gewissermaßen direkt proportional zu dem ist, was für uns bei jedem Verhalten oder jeder Entscheidung auf dem Spiel steht, dass sie aber von anderen – sie möglicherweise abschwächenden oder auslösenden – Faktoren begleitet wird.

Angst lähmt

Angst und Unsicherheit sind praktisch ein und dasselbe. Angst ist das Gefühl, das mit der Wahrnehmung einer Bedrohung unserer Integrität oder unseres Wohlbefindens verbunden ist. Wir fühlen also Angst, wenn wir uns nicht sicher fühlen.

Es gibt selbstverständlich Menschen, die mehr oder weniger selbstbewusst sind, ein gutes Selbstwertgefühl haben, flexibel, optimistisch, ausgeglichen, offen für neue Erfahrungen, selbstsicher und so weiter sind. Diese Eigenschaften bewahren sie davor, von einer anstehenden Entscheidung gelähmt zu werden. Das bedeutet nicht, dass sie keine Angst davor haben, Fehler zu machen (die Abwesenheit von Angst ist keine Tugend, sondern ein Problem), aber sie empfinden sie in überschaubaren Dosen und wissen, wie sie sie überwinden können. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie wissen, dass Irren menschlich ist und dass sie, wenn doch etwas schief geht, gut mit diesen Fehlern umgehen können, ohne sich übermäßig Vorwürfe dafür zu machen.

Überanalysieren blockiert uns

In den letzten Jahren ist der Ausdruck „Paralyse durch Analyse“ sehr in Mode gekommen. Diese Lähmung ist das Ergebnis eines übermäßigen Verlangens, die verschiedenen Faktoren, die unser Leben beeinflussen, zu kontrollieren, und der Vorstellung, wir könnten selbst bei einer sehr komplizierten Entscheidung zu einer perfekten und aseptischen Entscheidung gelangen, bei der die Fehlerquote gleich null und der Zufriedenheitsgrad optimal ist, wenn wir nur alles wieder und wieder durchgehen.

Dieses Phänomen kann bei sehr wichtigen Lebensentscheidungen auftreten, aber auch in viel banaleren Situationen, z. B. bei der Entscheidung, ob wir eine Lampe kaufen sollen oder nicht. Wenn die Blockade zu extrem wird, erzeugt sie eine starke Beklemmung, eine Reaktion, die auch aus der Familie der Angstgefühle stammt. Begleitet wird diese Beklemmung von einem Sturm von Zweifeln, der in unserem Kopf einen Tornado von Gedanken auslöst: Tue ich auch wirklich das Richtige? Welche Folgen wird meine Entscheidung haben? Auf der anderen Seite kann diese Beklemmung nachlassen, wenn die Situation gelöst und eine Entscheidung getroffen wurde, die positive Resultate des eingeschlagenen Kurses zeigt; der Weg dahin ist jedoch oft sehr schwierig.

Insgesamt ist es also durchaus sinnvoll, bei einer Entscheidung alle möglichen Szenarien zu prüfen und die verschiedenen Risiken – und das Ausmaß ebendieser – für jede der möglichen Alternativen abzuwägen. Aber letztendlich muss man eine Entscheidung treffen. Es gibt selbstverständlich einfache oder perfekte Entscheidungen, aber diese werden schnell getroffen und lösen keine Konflikte aus. Tatsächlich treffen wir sie oft so schnell, dass sie sogar automatisch zu sein scheinen.

Manchmal ist die einzig mögliche Entscheidung, das Treffen von Entscheidungen aufzugeben. Aber ganz bewusst.

Wenn es uns hingegen sehr schwer fällt, eine Entscheidung zu treffen, bedeutet dies, dass keines der Szenarien a priori perfekt ist und alle ihre Vor- und Nachteile haben, wir uns aber für eine Option entscheiden müssen, wenn wir wirklich vorankommen wollen. Wenn wir, aus welchen Gründen auch immer, zu dem Schluss kommen, es sei unmöglich, eine Entscheidung zu treffen, empfehlen Experten als Mittel gegen die sogenannte „Paralyse durch Analyse“, bewusst anzuerkennen, dass dies nicht der richtige Zeitpunkt für eine Entscheidung in dieser Angelegenheit ist. Und genau das wird dann zu unserer Entscheidung. Wenn also nicht klar ist, welche die beste Lösung ist, dann sollte man besser Abstand von diesem Thema nehmen und für eine Weile aus diesem unproduktiven Labyrinth aussteigen, damit man seine Energie für andere Dinge aufwenden kann.

Vielleicht steckst du gerade in einem wichtigen, noch nicht ganz abgeschlossenen Entscheidungsprozess. Oder du weißt – zumindest tief in deinem Inneren – bereits, welche Option am besten für dich ist, bist aber nicht bereit, den letzten Schritt zu tun. Vielleicht ist dir sogar bewusst, dass das alles nur noch schlimmer macht. In diesem Fall solltest du dir externe Hilfe oder Beratung holen. So kannst du die Dinge aus einer neuen, neutralen Perspektive betrachten und die Vor- und Nachteile der verschiedenen Optionen leichter endgültig abwägen.