Die Kunst, (gut) mit Kritik umzugehen

Der Umgang mit Kritik ist wahrhaftig eine Kunst. Es ist keinem angenehm, aber jeder muss früher oder später möglichst gelassen einen Kommentar, einen Angriff oder einen mehr oder weniger gut gemeinten Vorwurf einstecken.

Manchen Menschen fällt der Umgang mit solchen Interaktionen besonders schwer, was sich negativ auf ihr eigenes Befinden und auf die Beziehung zu der kritisierenden Person auswirkt.

Im Folgenden findest du 10 Tipps, die du beherzigen solltest, damit du die bittere Pille der Kritik leichter schlucken kannst. Zur besseren Verständlichkeit haben wir sie separat aufgeführt. Wichtig dabei ist, dass manche dieser Tipps erst einige Zeit nach der „Auseinandersetzung“ umgesetzt werden können, während andere sofort und innerhalb von Zehntelsekunden erfolgen müssen.

Aber keine Sorge: Auch diese Kunst kann man lernen.

1. Lerne, das zu hören, was gesagt wird

Oft sind wir bereits voreingenommen und hören Dinge, die nicht wirklich gesagt werden.

Vorsicht vor Missverständnissen! Achte also genau darauf, was gesagt wird, und versuche, nicht zu viel hineinzuinterpretieren. Erfinde also nichts hinzu (Tonfall, Absichten, Botschaften zwischen den Zeilen, die nicht wirklich in der Aussage enthalten sind).

Natürlich gibt es manchmal tatsächlich eine Botschaft zwischen den Zeilen, oft aber auch nicht. Beschränke dich daher einfach auf die Botschaft, die du erhältst, und falls dir nicht ganz klar ist, was gemeint ist, bitte um eine Erklärung oder frag eine Person deines Vertrauens, ob sie die Situation genau so versteht wie du.

2. Wichtig ist eine gute Analyse

Sobald du aufmerksam zugehört oder gelesen hast, was dir mitgeteilt wurde, musst du es entsprechend interpretieren und zu einem Schluss kommen. Du musst also entscheiden, was die wahre Bedeutung der Botschaft ist, die du erhalten hast.

3. Übe dich in gesunder Selbstbeherrschung

Reagiere nicht impulsiv oder überempfindlich auf Kritik, greife die andere Person nicht an und vermeide es, in ein zu großes „Tief“ zu verfallen.

Denke daran, dass sich die dir gegenüber geäußerte Kritik oder Bemerkung höchstwahrscheinlich auf mehr oder weniger spezifische und abgegrenzte Aspekte bezieht. Nimm sie also nicht als Kritik an dir als Ganzes auf. Vermutlich handelt es sich nicht um Kritik an dir als Person, sondern nur an etwas, das du getan oder gesagt hast.

4. Überlege dir gut, was du antwortest

Wenn du es schaffst, dich zumindest äußerlich zu beherrschen, solltest du anschließend so selbstbewusst wie möglich reagieren.

Niemand wird gerne kritisiert oder bei einem Fehler ertappt, aber die vernünftigste Reaktion ist zu akzeptieren, dass wir manchmal im Unrecht sind und es uns gesagt werden muss, oder dass das, was wir tun, nicht immer allen gefällt. 

In diesem Fall solltest du konstruktiv sein und ruhig antworten, auch wenn du mit dem Gesagten nicht einverstanden bist.

5. Betrachte das Ganze im Zusammenhang

Vielleicht ist es dir gelungen, deine Reaktion und deine Interpretation der Kritik gut unter Kontrolle zu halten, oder vielleicht bist du auch ein bisschen zu weit gegangen. Denke auf jeden Fall daran, dass du hinterher bestimmt einen ruhigen Moment hast, in dem du mit etwas Abstand über das Geschehene nachdenken, es relativieren und eine positivere Interpretation ableiten kannst, durch die du die Situation gelassener siehst.

6. Mache dir die Kritik zunutze

Unabhängig davon, ob du mit der Kritik einverstanden bist oder nicht, kannst du sie immer als eine Gelegenheit nutzen, daraus etwas zu lernen. Etwa, dass manche Menschen bestimmte Aspekte an dir nicht mögen, was dir helfen wird, mögliche Fehltritte zu vermeiden. Oder, dass selbst wenn man kritisiert oder getadelt wird, die Welt in der Regel nicht untergeht und Beziehungen relativ problemlos weiterlaufen können. Außerdem kannst du bei solchen Gelegenheiten mehr über dich selbst erfahren, kannst feststellen, wie du reagierst und wie andere sind.

7. Übe dich in Demut

Manchmal wollen wir es nicht wahrhaben oder es fällt uns anfangs schwer, es zuzugeben, aber eigentlich hat die andere Person tatsächlich recht. Solange die Kritik des anderen konstruktiv vermittelt wurde, ist es in Ordnung, sie zur Kenntnis zu nehmen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Niemand ist perfekt und es zeugt von Charakter, dies sportlich zu nehmen und bereitwillig zu akzeptieren.

8. Sei gnädig mit dir selbst

Gerade wenn du merkst, dass die andere Person mit ihrer Kritik an dir recht hat, ist es wichtig, dass du, wie schon erwähnt, eine zurückhaltende Interpretation der Fakten vornimmst.

Ein Fehler macht dich nicht zum schlechtesten Menschen der Welt, sondern er macht dich menschlich. Mach dich nicht selbst fertig. Wenn es eine Lösung für die Situation gibt, dann tue einfach, was du kannst. Sei bitte geduldig mit dir selbst, vor allem, wenn es keine Lösung gibt oder du noch keine gefunden hast.

9. Stecke die Kritik auf natürliche Weise weg

In gewissem Maße muss man einfach akzeptieren, dass das gegenseitige Kritisieren Teil der normalen menschlichen Kommunikation ist. Natürlich sollte dies auf maßvolle und konstruktive Weise geschehen, aber grundsätzlich gilt es, Kritik mit einer gewissen Selbstverständlichkeit hinzunehmen. Zwischenmenschliche Beziehungen sind keine Diktaturen, in denen man nichts Schlechtes über andere bzw. etwas, das einem an diesen nicht gefällt, sagen darf. Wichtig ist, dass man sich gegenseitig mit Respekt behandelt und versucht, den anderen nicht zu verletzen.

10. Achte auf dieselbe, immer wiederkehrende Kritik

Manchmal verstehen wir es nicht oder sind nicht ganz einverstanden, aber dieselbe Kritik oder Bemerkung kommt mit der Zeit immer wieder und zwar von unterschiedlichen Personen.

Wir alle haben unsere Eigenheiten, aber vielleicht solltest du darüber nachdenken, ob du etwas ernsthaft ändern müsstest oder einen Fehler im Interesse deiner Beziehungen und vor allem in deinem eigenen Interesse ausmerzen solltest.

Wenn etwas zum zweiten Mal gesagt wird, ist das ein Zufall, aber mehrere Male lassen bereits auf ein bestimmtes Muster schließen. Das ist nicht schlimm. Es ist ja schließlich gut, dass andere uns auf unsere Fehler hinweisen, damit wir uns leichter verbessern können.

Die menschliche Kommunikation ist komplex und kann manchmal sehr schwierig sein, besonders wenn wir uns angegriffen oder verletzlich fühlen. Bei größeren Kommunikationsschwierigkeiten, die deine Beziehungen belasten, ist es an der Zeit, aktiv zu werden und um Hilfe zu bitten. Das Thema Sozialkompetenz lässt viel Spielraum für Verbesserungen und unser psychologisches Team kennt sich bestens aus. Nutze diese Chance.