{"id":86,"date":"2023-05-23T08:35:52","date_gmt":"2023-05-23T08:35:52","guid":{"rendered":"https:\/\/ifeelonline.com\/de\/?p=86"},"modified":"2023-05-23T08:37:42","modified_gmt":"2023-05-23T08:37:42","slug":"hilfe-ich-muss-eine-entscheidung-treffen-und-traue-mich-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ifeelonline.com\/de\/hilfe-ich-muss-eine-entscheidung-treffen-und-traue-mich-nicht\/","title":{"rendered":"Hilfe! Ich muss eine Entscheidung treffen und traue mich nicht"},"content":{"rendered":"\n<p>Haben alle anderen auch so viel Angst davor, etwas falsch zu machen? Im Allgemeinen schon. Wenn nicht gerade eine psychische St\u00f6rung vorliegt (eine Erkrankung oder ein schweres Intelligenzdefizit), empfindet jeder Mensch Angst. Sie ist eine der grundlegenden Emotionen, die auch viele Tiere empfinden. Dazu geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch die Angst, etwas falsch zu machen, schlechte Entscheidungen zu treffen, jemanden zu verletzen und so weiter. Wie auch bei anderen Emotionen w\u00e4re das gesellschaftliche Leben ohne diese Angst chaotisch und w\u00fcrde in extreme Aggressivit\u00e4t und R\u00fccksichtslosigkeit ausarten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum so viel Angst?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Manche Menschen haben \u00fcberm\u00e4\u00dfig viel Angst davor, Fehler zu machen. Wie immer h\u00e4ngt das mit einer Vielzahl von Faktoren zusammen, bei denen es oft schwer zu unterscheiden ist, welche die Ursachen und welche die Folgen sind. Bei dieser Dynamik lassen sich jedoch zun\u00e4chst intrapsychische Merkmale beobachten, also solche, die sich auf die eigene Pers\u00f6nlichkeit, das Bew\u00e4ltigungsverhalten oder das kognitive Verhalten einer Person beziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder hat Angst, Fehler zu machen. Die Frage ist, \u00fcber welche Werkzeuge du verf\u00fcgst, um diese Angst zu regulieren, damit sie nicht ihren Nutzen verliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu dieser Gruppe geh\u00f6ren Menschen, die generell unsicherer oder sogar Schwarzmaler sind (Menschen, die immer das schlimmstm\u00f6gliche Ergebnis als die wahrscheinlichste aller m\u00f6glichen Konsequenzen erachten), die weniger Vertrauen in ihre F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten haben, die sich zur\u00fcckziehen, die perfektionistisch sind oder die l\u00e4nger brauchen, um Entscheidungen zu treffen&nbsp;\u2013 entweder weil sie mit zu vielen Optionen gleichzeitig nicht umgehen k\u00f6nnen oder weil sie die Optionen, mit denen sie umgehen, nur langsam verarbeiten&nbsp;&#8230; oder einfach, weil sie extrem zwanghafte Z\u00fcge haben (immer wieder alle Vor- und Nachteile der verschiedenen Optionen durchgehen) und daher nicht besonders flexibel und spontan sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben diesen intrapsychischen Faktoren spielen auch die Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens gemacht haben, eine gro\u00dfe Rolle. Wenn wir zum Beispiel in der Vergangenheit schwerwiegende Fehler gemacht haben, ist es v\u00f6llig normal (und sinnvoll), dass wir gro\u00dfe Angst davor haben, sie in Zukunft erneut zu begehen. Es ist sogar ein Zeichen von Intelligenz, denn dieses Gef\u00fchl bringt uns dazu, vorbeugende Ma\u00dfnahmen zu ergreifen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Jeder hat Angst<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Jeder Mensch sollte in bestimmten Situationen Angst davor haben, Fehler zu machen. Das Gegenteil w\u00e4re typisch f\u00fcr narzisstische Menschen, die sich ihrer wahren F\u00e4higkeiten und Schw\u00e4chen nicht bewusst sind, was sie zu r\u00fccksichtslosem oder sch\u00e4digendem Verhalten sich selbst oder anderen gegen\u00fcber veranlassen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einfachen Aufgaben oder bei Aufgaben, die wir schon sehr gut beherrschen, sinkt diese Angst nat\u00fcrlich auf null oder auf ein \u00fcberschaubares Niveau. Wenn ich zum Beispiel noch nie ein Omelett gemacht habe und es zum ersten Mal ausprobiere, bin ich nat\u00fcrlich ein bisschen nerv\u00f6s, ob es mir wohl auch gelingen wird. Wenn ich das Gericht aber schon Hunderte Male zubereitet habe, dann <em>konzentriere ich mich darauf<\/em>, dass es gut wird, anstatt mich zu sorgen (Sorge ist das kognitive Gegenst\u00fcck der Emotion Angst). Ich will also, dass das Omelett gut wird, aber ich bin mir einfach sicher, dass es mir gelingen wird, weil es mir schon vorher gut gelungen ist und ein gro\u00dfer Teil des Zubereitungsprozesses ganz automatisch abl\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gleiche passiert bei unerfahrenen Chirurgen verglichen mit Chirurgen, die dieselbe Operation schon Hunderte von Malen durchgef\u00fchrt haben. Oder wenn ein Schauspieler die B\u00fchne betritt. Wie oft sagen erfahrene und namhafte Schauspieler, dass sie immer noch nerv\u00f6s sind, wenn sie vor Publikum treten. Sicher, sie sind lebendig, sie nehmen ihre Aufgabe ernst, sie verstehen jede Auff\u00fchrung als etwas Neues, auch wenn sie sich wiederholt. Aber sie haben offensichtlich gen\u00fcgend Erfahrung, um dieses Unbehagen oder die Angst angemessen zu kontrollieren, damit sie sie nicht l\u00e4hmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig ist auch, dass Angst zwar gewisserma\u00dfen direkt proportional zu dem ist, was f\u00fcr uns bei jedem Verhalten oder jeder Entscheidung auf dem Spiel steht, dass sie aber von anderen&nbsp;\u2013 sie m\u00f6glicherweise abschw\u00e4chenden oder ausl\u00f6senden&nbsp;\u2013 Faktoren begleitet wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Angst l\u00e4hmt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Angst und Unsicherheit sind praktisch ein und dasselbe. Angst ist das Gef\u00fchl, das mit der Wahrnehmung einer Bedrohung unserer Integrit\u00e4t oder unseres Wohlbefindens verbunden ist. Wir f\u00fchlen also Angst, wenn wir uns nicht sicher f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt selbstverst\u00e4ndlich Menschen, die mehr oder weniger selbstbewusst sind, ein gutes Selbstwertgef\u00fchl haben, flexibel, optimistisch, ausgeglichen, offen f\u00fcr neue Erfahrungen, selbstsicher und so weiter sind. Diese Eigenschaften bewahren sie davor, von einer anstehenden Entscheidung gel\u00e4hmt zu werden. Das bedeutet nicht, dass sie keine Angst davor haben, Fehler zu machen (die Abwesenheit von Angst ist keine Tugend, sondern ein Problem), aber sie empfinden sie in \u00fcberschaubaren Dosen und wissen, wie sie sie \u00fcberwinden k\u00f6nnen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie wissen, dass Irren menschlich ist und dass sie, wenn doch etwas schief geht, gut mit diesen Fehlern umgehen k\u00f6nnen, ohne sich \u00fcberm\u00e4\u00dfig Vorw\u00fcrfe daf\u00fcr zu machen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00dcberanalysieren blockiert uns<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahren ist der Ausdruck \u201eParalyse durch Analyse\u201c sehr in Mode gekommen. Diese L\u00e4hmung ist das Ergebnis eines \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Verlangens, die verschiedenen Faktoren, die unser Leben beeinflussen, zu kontrollieren, und der Vorstellung, wir k\u00f6nnten selbst bei einer sehr komplizierten Entscheidung zu einer perfekten und aseptischen Entscheidung gelangen, bei der die Fehlerquote gleich null und der Zufriedenheitsgrad optimal ist, wenn wir nur alles wieder und wieder durchgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen kann bei sehr wichtigen Lebensentscheidungen auftreten, aber auch in viel banaleren Situationen, z.&nbsp;B. bei der Entscheidung, ob wir eine Lampe kaufen sollen oder nicht. Wenn die Blockade zu extrem wird, erzeugt sie eine starke Beklemmung, eine Reaktion, die auch aus der Familie der Angstgef\u00fchle stammt. Begleitet wird diese Beklemmung von einem Sturm von Zweifeln, der in unserem Kopf einen Tornado von Gedanken ausl\u00f6st: Tue ich auch wirklich das Richtige? Welche Folgen wird meine Entscheidung haben? Auf der anderen Seite kann diese Beklemmung nachlassen, wenn die Situation gel\u00f6st und eine Entscheidung getroffen wurde, die positive Resultate des eingeschlagenen Kurses zeigt; der Weg dahin ist jedoch oft sehr schwierig.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt ist es also durchaus sinnvoll, bei einer Entscheidung alle m\u00f6glichen Szenarien zu pr\u00fcfen und die verschiedenen Risiken&nbsp;\u2013 und das Ausma\u00df ebendieser&nbsp;\u2013 f\u00fcr jede der m\u00f6glichen Alternativen abzuw\u00e4gen. Aber letztendlich muss man eine Entscheidung treffen. Es gibt selbstverst\u00e4ndlich einfache oder perfekte Entscheidungen, aber diese werden schnell getroffen und l\u00f6sen keine Konflikte aus. Tats\u00e4chlich treffen wir sie oft so schnell, dass sie sogar automatisch zu sein scheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal ist die einzig m\u00f6gliche Entscheidung, das Treffen von Entscheidungen aufzugeben. Aber ganz bewusst.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es uns hingegen sehr schwer f\u00e4llt, eine Entscheidung zu treffen, bedeutet dies, dass keines der Szenarien <em>a priori<\/em> perfekt ist und alle ihre Vor- und Nachteile haben, wir uns aber f\u00fcr eine Option entscheiden m\u00fcssen, wenn wir wirklich vorankommen wollen. Wenn wir, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, zu dem Schluss kommen, es sei unm\u00f6glich, eine Entscheidung zu treffen, empfehlen Experten als Mittel gegen die sogenannte \u201eParalyse durch Analyse\u201c, bewusst anzuerkennen, dass dies nicht der richtige Zeitpunkt f\u00fcr eine Entscheidung in dieser Angelegenheit ist. Und genau das wird dann zu unserer Entscheidung. Wenn also nicht klar ist, welche die beste L\u00f6sung ist, dann sollte man besser Abstand von diesem Thema nehmen und f\u00fcr eine Weile aus diesem unproduktiven Labyrinth aussteigen, damit man seine Energie f\u00fcr andere Dinge aufwenden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht steckst du gerade in einem wichtigen, noch nicht ganz abgeschlossenen Entscheidungsprozess. Oder du wei\u00dft&nbsp;\u2013 zumindest tief in deinem Inneren&nbsp;\u2013 bereits, welche Option am besten f\u00fcr dich ist, bist aber nicht bereit, den letzten Schritt zu tun. Vielleicht ist dir sogar bewusst, dass das alles nur noch schlimmer macht. In diesem Fall solltest du dir externe Hilfe oder Beratung holen. So kannst du die Dinge aus einer neuen, neutralen Perspektive betrachten und die Vor- und Nachteile der verschiedenen Optionen leichter endg\u00fcltig abw\u00e4gen.<\/p>\n\n    <div class=\"xs_social_share_widget xs_share_url after_content \t\tmain_content  wslu-style-1 wslu-share-box-shaped wslu-fill-colored wslu-none wslu-share-horizontal wslu-theme-font-no wslu-main_content\">\n\n\t\t\n        <ul>\n\t\t\t        <\/ul>\n    <\/div> \n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haben alle anderen auch so viel Angst davor, etwas falsch zu machen? Im Allgemeinen schon. Wenn nicht gerade eine psychische St\u00f6rung vorliegt (eine Erkrankung oder ein schweres Intelligenzdefizit), empfindet jeder Mensch Angst. Sie ist eine der grundlegenden Emotionen, die auch viele Tiere empfinden. 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