{"id":118,"date":"2023-05-23T08:35:51","date_gmt":"2023-05-23T08:35:51","guid":{"rendered":"https:\/\/ifeelonline.com\/de\/?p=118"},"modified":"2023-05-23T08:38:30","modified_gmt":"2023-05-23T08:38:30","slug":"mein-kampf-gegen-die-angst-12-wochen-online-therapie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ifeelonline.com\/de\/mein-kampf-gegen-die-angst-12-wochen-online-therapie\/","title":{"rendered":"Mein Kampf gegen die Angst: 12\u00a0Wochen Online-Therapie"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich bin ein eher zur\u00fcckhaltender Mensch und es f\u00e4llt mir ziemlich schwer, \u00fcber meine Probleme zu sprechen. Ehrlich gesagt wissen nur wenige Menschen, was in meinem Inneren wirklich vor sich geht. Ich kenne Leute, die allen erz\u00e4hlen, was sie besch\u00e4ftigt&nbsp;\u2013 ihrer Familie, ihren Freunden, dem Hausmeister, dem Taxifahrer und sogar dem Kellner im Caf\u00e9 um die Ecke. F\u00fcr mich ist es eine gro\u00dfe Herausforderung gewesen, \u00fcber meine \u00c4ngste sprechen zu lernen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Kampf gegen Angstzust\u00e4nde<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ich meinerseits habe schon als Kind gelernt, dass alle f\u00fcr sich selbst die Verantwortung \u00fcbernehmen m\u00fcssen und andere nicht mit ihren Problemen belasten d\u00fcrfen. Und genau das habe ich auch immer gemacht&nbsp;\u2013 stets alles in mich hineingefressen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit 25&nbsp;Jahren fing es dann an. Ich hatte mein Studium abgeschlossen und war auf der Suche nach einem Job. Damals stellten sich meine ersten Angstzust\u00e4nde ein, die mich nach und nach aufzehrten. Die st\u00e4ndigen Absagen auf die von mir verschickten Lebensl\u00e4ufe, die Wochen ohne eine einzige R\u00fcckmeldung, die Ungewissheit, das Gef\u00fchl, dass mein Leben nicht vorankommt und dass ich auf der Stelle trete, w\u00e4hrend andere Fortschritte machen&nbsp;&#8230; all das h\u00e4ufte sich an.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Gef\u00fchle kamen und gingen. Phasenweise hatte ich sie unter Kontrolle und nat\u00fcrlich wusste niemand davon, was in mir vorging. Damals schenkte ich dem Ganzen keine gro\u00dfe Bedeutung. \u201eSo ist nun mal das Leben\u201c, \u201eEs ist nur eine schwierige Phase\u201c, \u201eDas geht vorbei\u201c, dachte ich.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst traten die Anf\u00e4lle nur in kritischen Momenten auf, dann aber auch in jeder anderen Situation \u2013 wenn ich den Bus verpasste, vor, w\u00e4hrend und nach den sogenannten Bewerbungsgespr\u00e4chen, oder wenn ein Freund nicht auf eine Nachricht antwortete. Die Angstzust\u00e4nde beherrschten mich und legten mich lahm. Wenn ich versuchte, \u00fcber das Problem zu sprechen, hatte ich das Gef\u00fchl, dass mein Partner, meine Freunde oder meine Familie mich nicht verstanden. Ich wei\u00df, dass sie es nur gut meinten, aber ihre Worte waren nicht nur wenig hilfreich, sondern machten es noch schlimmer&nbsp;&#8230; Also zog ich mich noch mehr in mich selbst zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Angstzust\u00e4nde durch Psychotherapie \u00fcberwinden<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Eines sp\u00e4ten Abends, einen Monat nachdem die Beziehung mit meinem Partner in die Br\u00fcche gegangen war, explodierte ich. Ich konnte nicht mehr, ich wollte nur immerfort weinen, bis der Schmerz in der Brust aufh\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich jetzt im Alter von 31&nbsp;Jahren auf diese Zeit zur\u00fcckblicke, wird mir klar, wie viel mir erspart geblieben w\u00e4re, wenn ich auf meinen K\u00f6rper geh\u00f6rt h\u00e4tte. Wenn ich fr\u00fcher professionelle Hilfe in Anspruch genommen h\u00e4tte. Ich war sehr sportlich und die Redensart \u201ein einem gesunden K\u00f6rper wohnt ein gesunder Geist\u201c stimmt zwar, aber manchmal ist ein gesunder K\u00f6rper einfach nicht genug \u2013 man muss sich auch um seine geistige Gesundheit k\u00fcmmern.<\/p>\n\n\n\n<p>An jenem Tag hatte ich den Tiefpunkt erreicht, ich hatte das Gef\u00fchl, die Kontrolle v\u00f6llig verloren zu haben. Ich wusste nicht, an wen ich mich wenden sollte, und stolperte dann \u00fcber ifeel, eine Online-Plattform f\u00fcr psychologische Beratung. Es kam mir vor wie ein Wink des Schicksals. Ich hatte diese M\u00f6glichkeit noch nie in Betracht gezogen, aber ich war verzweifelt und hatte das Gef\u00fchl, niemanden zu haben, mit dem ich reden konnte. Wenn ich nicht einmal mit meiner besten Freundin \u00fcber all das sprechen k\u00f6nnte, wie sollte ich dann mit einem Fremden reden?<\/p>\n\n\n\n<p>Und so kam es, dass ich einer Psychologin, deren Gesicht ich nie sehen w\u00fcrde, meine ganze Lebensgeschichte erz\u00e4hlte. Ich sprach mit ihr, wie ich noch nie zuvor mit jemandem in meinem Leben gesprochen hatte. Das alles musste einfach raus. Sie h\u00f6rte mir zu und als sie mir antwortete, wurde mir klar, dass ich mich schon seit sehr langer Zeit nicht mehr verstanden gef\u00fchlt hatte. W\u00e4hrend ich schrieb, weinte ich unaufh\u00f6rlich, aber je mehr sie auf mich einging, desto mehr beruhigte ich mich. Wie ein Kind, das pl\u00f6tzlich Trost bei seiner Mutter findet. Sie beruhigte mich, stellte mir Fragen \u00fcber mich selbst, um mich besser kennenzulernen, und erkl\u00e4rte mir, dass ich professionelle Betreuung brauchte. Wenn ich jetzt zur\u00fcckblicke, wird mir klar, dass das meine erste Therapiesitzung war.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Psychologin vermittelte mir den Kontakt zu Maribel, einer auf Angstzust\u00e4nde spezialisierten Psychologin mit sehr viel Erfahrung, die auch heute noch meine Therapeutin ist. Am Anfang meiner Therapie war ich total aufgel\u00f6st und wusste nicht, an wen ich mich wenden sollte. Ich war ein Wrack. Und daher fasste ich den Mut und begann eine Therapie.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Laufe der Therapie wurde mein Kopf immer klarer. Warum hatte ich nur so lange damit gewartet? Ich w\u00fcnschte, statt mit 31 h\u00e4tte ich schon mit 25 angefangen! Schreiben wurde f\u00fcr mich zu einem fundamentalen Werkzeug. Die blo\u00dfe Aufgabe, all meine Gedanken und Gef\u00fchle zu ordnen und auf Papier zu bringen, war eine Art innere Katharsis. Und jeden Tag erhielt ich Antworten von Maribel. Es war eine wunderbare Erfahrung, meine ganze Geschichte anonym mit einer Person teilen zu k\u00f6nnen, die v\u00f6llig unparteiisch ist und mir auch noch hilft, diese neu zu ordnen. Oft vertrauen wir uns Freunden oder Verwandten an, aber sie haben aufgrund ihrer pers\u00f6nlichen Beziehung zu uns immer eine leicht voreingenommene Meinung. Eine Psychologin hingegen ist eine Fachkraft, deren Aufgabe genau darin besteht, dir zuzuh\u00f6ren und dir das Werkzeug an die Hand zu geben, das dir hilft, die Situation allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch das erneute Lesen meiner Aufzeichnungen wurden mir all meine Widerspr\u00fcchlichkeiten bewusst und ich war gezwungen, zu \u00fcberlegen, was ich in meinem Leben suchte. Mit Maribels Hilfe begann ich allm\u00e4hlich, dar\u00fcber nachzudenken, was ich wollte, anstatt weiter das zu tun, was andere als gut f\u00fcr mich erachteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal wurde ich r\u00fcckf\u00e4llig und hatte das Gef\u00fchl, dass die ganze Arbeit umsonst gewesen war. Maribel musste mit mir in diesen Momenten ganz sch\u00f6n was mitmachen! Wenn die Krise dann vor\u00fcber war, erkannte ich im Gespr\u00e4ch mit ihr, wie viele Fortschritte ich gemacht hatte. Ich hatte gelernt, meine Atmung zu kontrollieren und mir die Ursache meiner Angstzust\u00e4nde bewusst zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Anfang war sehr hart, ich konnte vieles erst nicht einsehen. Aber es vergeht kein Tag, an dem ich nicht froh bin, dass ich an diesem schrecklichen Nachmittag den Schritt gewagt habe. Ich will mich nie wieder so f\u00fchlen wie damals. Das dient mir als Motivation, um weiter zu lernen, mit meinen \u00c4ngsten umzugehen und mein Gl\u00fcck zu verfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will ehrlich sein: Ich bin immer noch in Therapie und ich wei\u00df, dass ich noch einen langen Weg vor mir habe. Ich erlebe immer noch schwierige Momente oder Situationen, die ich nicht kontrollieren kann. Aber ich empfinde und lebe jetzt anders, und ich glaube, sogar meine Katze merkt das.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Jahre lang waren die \u00c4ngste mein st\u00e4ndiger Begleiter, aber ich habe gelernt, mit ihnen zu leben. Ich bin \u00fcberzeugt, dass ich diesen Kampf gewinnen werde. Und wie Maribel mir immer sagt, ist es nur eine Frage der Zeit, der Ausdauer und der Einstellung.<\/p>\n\n    <div class=\"xs_social_share_widget xs_share_url after_content \t\tmain_content  wslu-style-1 wslu-share-box-shaped wslu-fill-colored wslu-none wslu-share-horizontal wslu-theme-font-no wslu-main_content\">\n\n\t\t\n        <ul>\n\t\t\t        <\/ul>\n    <\/div> \n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin ein eher zur\u00fcckhaltender Mensch und es f\u00e4llt mir ziemlich schwer, \u00fcber meine Probleme zu sprechen. Ehrlich gesagt wissen nur wenige Menschen, was in meinem Inneren wirklich vor sich geht. 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